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Aktionen zum Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Seit etwa 30 Jahren finden rund um den 5. Mai bundesweit Aktionen zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen statt. Vieles hat sich in dieser Zeit getan, allerdings gibt es noch viele Themen, die angegangen werden müssen. Dazu zählt unter anderem die (noch) fehlende Barrierefreiheit in vielen Bereichen.

Unter dem Motto „Tempo machen für Inklusion – barrierefrei zum Ziel!“ haben wir am 5. Mai 2022 mit Unterstützung der Aktion Mensch für dieses Thema sensibilisiert und die Barrierefreiheit unserer Innenstadt genauer unter die Lupe genommen.

Wir haben jungen Menschen die Möglichkeit geboten, in einen sog. Alterssimulationsanzug zu steigen, um in die Erfahrungswelt älterer Menschen einzutauchen. Der Anzug simuliert durch Einschränkung der Beweglichkeit, Kraft, Sicht und des Gehörs Veränderungen des Körpers mit dem Alter. Freiwillige konnten so durch die Neusser Innenstadt laufen, sich in ein Café setzen oder ein Eis essen – mit den Einschränkungen, die das Alter mit sich bringt. Darüber hinaus konnte mit einem Tremor-Simulator das sog. Alterszittern an Händen beim Schreiben oder Heben von Tassen und ähnlichen Alltagsgegenständen erlebt werden.

Neben der Alterssimulation haben wir zudem einen Rollstuhl bereitgestellt, den uns das Sanitätshaus Breuer kurzfristig zur Verfügung gestellt hat – herzlichen Dank dafür an dieser Stelle. Mit diesem haben Einzelne kurze Straßenzüge oder große Teile der Neusser Innenstadt begangen und sind vor Hindernisse gestoßen, die sie vorher nicht kannten bzw. wahrgenommen hatten. Hierzu zählen nicht nur schwere Arme durch die körperliche Anstrengung der Fortbewegung, sondern insbesondere auch Pflastersteine, Bahngleise, nicht tief genug abgesenkte Bordsteine und teilweise schiefe Gehwege, die ein Gegenlenken erforderten, um nicht zur Seite vom Weg abzurollen. Etliche Geschäfte, die sonst gerne angelaufen werden, konnten nicht ohne Weiteres betreten werden, da die Eingänge nicht barrierearm angelegt wurden.

Als Barrieren-Checker:innen haben wir sämtliche uns aufgefallenen Hindernisse notiert und werden diese an die zuständigen Stellen weitergeben. Während unserer Rollstuhlfahrten durch die Innenstadt haben wir vereinzelt auch Reaktionen wahrgenommen, die uns sagen lassen, dass nicht nur bei der Gestaltung von Städten Inklusion und Barrierefreiheit ein wichtiges Ziel sein müssen, sondern auch innerhalb unserer Gesellschaft.

An unserem Infostand sind wir währendessen von 12:00 bis 16:00 Uhr in regen Austausch mit Passanten gekommen und haben über Hintergründe und Ziele solcher Aktionen im Bereich Inklusion informieren können.